EM Titelthema Ausgabe Feb. 2012

Ausgeschieden und trotzdem glücklich
"Voice of Germany"-Teilnehmer Dominic Sanz aus
Blankenheim-Freilingen arbeitet bereits mit Xavier Naidoo im Studio

„The Voice of Germany“ (VoG) rüttelte im November des vergangenen Jahres die deutsche TV-Castinglandschaft auf. Dieses Format war neu, irgendwie ehrlicher und viel mehr auf das wesentliche - die Musik - als auf die persönliche Geschichte der Interpreten bezogen. Im neunten „DSDS“-Jahr zeigte die Sendergruppe Pro7/Sat.1 einer stetig wachsenden Schar von Fernsehzuschauern (im Schnitt rund 4,5 Millionen pro Sendung), dass eine Castingshow besser, qualitativer, respektvoller und vor allem spannender zu machen ist.
Der allererste Kandidat, der vor die prominente Coach-Riege bestehend aus Xavier Naidoo, Nena, Ray Garvey und The Boss Hoss trat, war Dominic Sanz (20). Er überzeugte und entschied sich dafür, in Naidoos Team zu gehen. Erst am 05. Januar scheiterte er an der dritten Hürde - der ersten Live-Show.
Dominic ist ein echter „Eifeler Jung“ mit spanischen Wurzeln, wurde in Mechernich geboren und lebt in Blankenheim-Freilingen. Schon während der Realschule, der Zeit auf dem Berufskolleg in Kall und dem Zivildienst in der Eifelhöhenklinik Marmagen hat sich Dominic ganz der Musik verschrieben. Er lernte Schlagzeug und Gitarre, sang später in mehreren Coverbands, gründete mit seinem Förderer Uwe Reetz die „Dominic Sanz Band“ und war auf vielen Bühnen in und rund um die Eifel zu Gast. Unmittelbar nach dem Zivildienst bekam er die Zusage, bei „VoG“ teilnehmen zu können.
Das Ausscheiden aus der Sendung sieht er als Chance. Und diese zu nutzen, hat er sich für 2012 ganz groß auf die Fahne geschrieben.

Zwei Wochen nach Dominics „Aus“ bei „VoG“ liegt Freilingen am ersten wirklich schönen Tag dieses Winters in einem sonnigen Mittagsschlaf. Die jungen Dorfbewohner trudeln langsam aus der Schule ein, ansonsten sind die Straßen komplett leer. Dominic Sanz begrüßt mich im Haus seiner Eltern, stellt mich seiner Mutter vor und führt mich in sein Musikzimmer, einen kleinen Raum, der von diversen Instrumenten, einer Stereo-Anlage und einem PC dominiert wird. Der Duft des Mittagessens hängt noch leicht in der Luft, die Sonne scheint durch das Fenster hinein und Dominics jüngerer Bruder schaut kurz neugierig ins Zimmer. Doch die ruhige Idylle trügt, denn schon bald klingelt es wieder an der Haustüre der Sanz. Wieder einmal bitten ein paar kichernde Mädchen verlegen um Autogrammkarten. Die Mutter erledigt das, denn Dominic hat viel zu tun. Angebote sichten, Kontakte knüpfen, die Facebook-Seite pflegen ... Gleich am nächsten Tag geht es für ihn wieder zu Xavier Naidoo ins Studio nach Mannheim. Von dort aus nach Köln, um bei der Eröffnung eines VIP-Kartrennens zu singen und anschließend daran teilzunehmen. Man könnte meinen mit dem Ausscheiden aus der Castingshow sei es wieder ruhiger in Dominics Leben geworden, doch das Gegenteil ist der Fall.

Dominic, bei Dir ist momentan ja Einiges los. Aber bevor wir zu Deiner Zukunft kommen, erzähl doch bitte mal, wie Deine Teilnahme bei „VoG“ zeitlich ablief. Vieles wurde ja nicht live gesendet.
Richtig, die „Blind Auditions“ wurden schon im vergangenen August aufgezeichnet. Dafür waren alle Kandidaten eine Woche lang in Berlin. Es war also nicht nur ein Auftritt und dann wieder weg, wie es später im Fernsehen aussah. Es gab für jeden noch eine Menge anderer Dinge zu erledigen. Alle 150 Teilnehmer mussten natürlich ihren Song zusammen mit der Band proben, hatten Fotoshootings, mussten zum Stylisten, diverse Interviews geben, hatten Zeit, um sich kennenlernen und so weiter. Mitte September ging es dann wieder für eine Woche nach Berlin zur Aufzeichnung der zweiten Runde, den sogenannten „Battles“, wo die einzelnen Teammitglieder gegeneinander im Duett antraten. In dieser Zeit wurde jeder von seinem Coach intensiv vorbereitet.

Wie liefen diese Coachings ab? Du hast ja sicher nicht acht Stunden am Tag mit Xavier Naidoo an Deinem Song gefeilt, es gab ja noch 17 andere Teilnehmer in Xaviers Team.
Es wurde natürlich längst nicht alles in den Aufzeichnungen gezeigt. Xavier hat sich wirklich richtig viel Zeit für sein Team genommen. Wir haben tatsächlich auch mal einen ganzen Tag lang nur mit ihm zusammen gesessen und viel gequatscht, auch privates. Er hat sich sehr für jeden interessiert, auch für die Musik, die jeder von uns so macht. Er hat uns sogar neues Material von sich vorgespielt und uns um unsere Meinung gefragt. Jeder von uns konnte wirklich intensiver mit ihm arbeiten. Und weil alles so privat und, ja, einfach kollegial war, war auch schnell jedes Lampenfieber oder jede hemmende Ehrfurcht weg.

Das Battle hast Du gewonnen und so stand schon Ende September fest, dass Du die letzte Hürde vor den Live-Shows genommen hattest. War es da nicht sehr schwer, über Deinen Erfolg zu schweigen, bis alles im Dezember im TV zu sehen sein würde …?
Doch, schon. Man hat es schon so weit gebracht und darf nix sagen … Klar haben mich sehr viele gefragt - viele wussten ja, dass ich bei „VoG“ teilnehme. Ich habe immer nur „Wartet ab und guckt es Euch einfach an“, gesagt, mehr ging nicht - dazu mussten wir uns vertraglich verpflichten. Klar, der engste Familien- und Freundeskreis wusste Bescheid, es waren ja auch einige bei der Aufzeichnung dabei. Und ich bin auch ziemlich sicher, dass vor der ersten Ausstrahlung von „VoG“ schon halb Freilingen Bescheid wusste (lacht).

Und wie ging es dann weiter?
Am 27.12.11 mussten alle verbliebenen Kandidaten wieder nach Berlin, um sich für die Live-Shows vorzubereiten. Wir hatten einige Interviews zu absolvieren, ich war zum Beispiel im Sat.1-Frühstücksfernsehen, hatte andere Termine und dann wurde natürlich viel mit der Band geprobt. Über Silvester bin ich noch mal schnell nach Hause geflogen, weil ich an der Mosel einen Auftritt hatte, und bin dann Neujahr wieder zurück nach Berlin. Tja, und in der ersten Live-Show am 05.01. bin ich dann ja leider ausgeschieden.

Haben sich eigentlich wirklich alle Talente und Coaches so lieb, wie es im TV rüberkommt? Herrschte nicht doch ein wenig Konkurrenzdruck, wenigstens im eigenen Team?
Ganz ehrlich: Da war wirklich kein Konkurrenzdruck zu spüren. Natürlich muss man irgendwo einen gewissen Biss zeigen, den hat Xavier auch versucht, aus uns rauszukitzeln. Aber gerade Teamintern war es wirklich so, dass wir fast zärtlich miteinander umgegangen sind. Es war für jeden, der im Battle gewonnen hat schwer, den anderen damit quasi rauszuwerfen. Wir haben auch jetzt noch alle Kontakt untereinander, egal ob man noch dabei ist oder nicht.

Du hattest mit Xavier Deinen Wunsch-Coach und hast seit August 2011 mit ihm gearbeitet. In dieser Zeit entsteht ja sicherlich auch ein persönliches Verhältnis, oder?
Ja, absolut. Ein gutes kollegiales auf jeden Fall und eigentlich auch ein freundschaftliches.

Wie hart ist es dann, wenn einen der Coach vom Platz stellt und so erst mal alle Hoffnungen raubt? Das muss sich doch im ersten Moment wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen, oder?
Ich war in dem Moment schwer enttäuscht und hab auch ein paar Tränchen vergossen, klar. Aber Xavier hat mich schnell zur Seite genommen und mit mir darüber gesprochen, warum er mich nicht mit in die nächste Runde genommen hat. Danach gab es dann kaum mehr einen Grund, wirklich traurig zu sein.

Warum, wie hat er den Rauswurf denn begründet?
Es ging nicht um den Gesang, da hat er fast gar nichts dazu gesagt. Aber es wurde einfach klar, dass er weiter Bock auf uns, also auf die ausgeschiedenen, hat. Es fühlte sich nach dem Gespräch jedenfalls nicht mehr wie das Ende an, sondern so, als ob es jetzt erst richtig losgeht. Xavier hat ein Bild vor Augen wie es weitergehen soll. Da vertraue ich ihm einfach mal und warte ab.

Also kann man von einer strategischen Entscheidung sprechen?
Ob das jetzt Strategie war oder er sich im Moment der Entscheidung spontan etwas überlegt hat, dazu kann ich nichts sagen. Da musst Du ihn fragen.

Trotz allem was da noch kommen mag – Die Show hat das letzte Vierteljahr für Dich bestimmt und Dein Leben ganz schon verändert. Was vermisst Du am meisten, wenn Du einen stillen Moment hier in Freilingen hast?
Die zweite Live-Show fand einen Tag nach meinem Ausscheiden statt und es war wirklich komisch, im Publikum sitzen zu müssen, das geb ich zu. Es war gar nicht so der Drang, auch wieder da oben stehen zu wollen. Das auch, aber mehr wird dir klar, dass man diese ganzen Leute, mit denen man soviel Zeit verbracht und so viel gelacht hat, jetzt nicht mehr so oft sehen wird. Das sind nicht nur die anderen Kandidaten oder die Coaches, das geht bis hin zum Kameramann oder den Jungs von der Band. Zu den letzten drei Sendungen werde ich auf jeden Fall wieder nach Berlin fliegen, um alle wiederzusehen und mitzufiebern.

Welche Kollegen tippst Du denn ins „VoG“-Finale am 10. Februar, wenn aus jedem der vier Teams nur noch einer übrig ist?
Aus dem Team Ray kommen Percival oder Michael Schulte weiter, einer von beiden auf jeden Fall. Bei Team Nena wird es glaub ich Benham. Aus Team Boss Hoss könnten es Ole oder Ivy schaffen. Und bei meinem Xavier-Team gehe ich von Max oder Rino aus.

Und wovon gehst Du aus, was Deine Person in der nächsten Zeit betrifft? Was planst Du, wie wird es weitergehen?
Ich möchte ganz klar erst mal bei der Musik bleiben und schauen, wohin mich der Weg dieses Jahr führt. Ich konnte so viele Kontakte knüpfen, habe so viel Promotion und Anfragen bekommen, durfte so viele tolle Musiker kennenlernen ... Ich wär doch blöd, wenn ich jetzt nicht darauf zurückgreifen würde. Wenn ich meinen Traum Berufsmusiker zu werden ein Stück weitergekommen bin, dann doch wohl genau jetzt. Dass ist mein Plan für dieses Jahr – alles geben, um die-se ganzen Möglichkeiten zu nutzen. Seit dem 06.01. geb ich in die Richtung schon Vollgas. Und wenn es trotzdem irgendwie nicht klappen sollte, überlege ich mir etwas in Richtung Musik zu studieren.

Du gibst also bereits Vollgas – wie genau?
Ich bin derzeit öfters in Mannheim. Und wie jeder weiß, wohnt und arbeitet Xavier Naidoo auch in Mannheim. Mehr kann und darf ich momentan noch nicht verraten. Dann gibt es da noch das Trio, das ich mit Michael Schulte vom Team Ray und Max Giesinger aus meinem Team im letzten Herbst gegründet habe. Wir hatten ja schon ein paar Auftritte und bekommen momentan viele Anfragen für weitere. Das wird auch sicherlich irgendwie weitergehen mit uns, aber da bleibt jetzt erst mal abzuwarten, wie weit die beiden noch kommen. Auch Uwe Reetz hat einige Anfragen gesammelt, was die Dominic Sanz-Band angeht. Aber wie gesagt: Erst mal heißt es jetzt abwarten und gucken, was kommt. In ein paar Monaten werde ich schlauer sein – und das werden auf jeden Fall spannende Monate für mich!

Text, Interview & Foto:
Alexander Kuffner

 
Mehr Lesestoff gefällig?
Interviews, Themen und Artikel-Serien aus vergangenen EMs finden sich in unserem > Archiv.

Ebenso finden Sie diesen Artikel dort auch im Original-Layout.